2017

Steine sind stumme Lehrer

Neue Ausstellung ab Sonntag, 19. März

bis 11. Juni 2017

"Steine sind stumme Lehrer, sie machen den Beobachter stumm, und das Beste, was man von ihnen lernt, ist nicht mitzuteilen“, schrieb der Dichter Johann Wolfgang von Goethe in seinem Erziehungsroman „Wilhelm Meister“. Goethe selbst konnte es nicht lassen, auf seinen Reisen der Stein gewordenen Erdgeschichte überall nachzuspüren.
  Zwei Künstlerinnen und ein Künstler beginnen die diesjährige Ausstellungsreihe im Sandsteinmuseum. Alle drei sind schon viele Jahre vom Arbeiten mit Sandstein begeistert und haben schon an mehreren Ausstellungen teilgenommen, darunter im Sandsteinmuseum und im Kloster Frenswegen.   Dorothea Lübben aus Neuenhaus arbeitete als Sparkassenangestellte und hat mit dem Eintritt in den Ruhestand für sich ein Kontrastprogramm zu Zahlen, Statistiken und Computerarbeit gefunden. Mit Fäustel und Meißel lässt sie den Alltag hinter sich und taucht ab in eine andere Welt. Es fasziniert sie die natürliche Beschaffenheit des Steins, seine Farben und Bruchkanten. Durch die jahrelange Teilnahme an den Bildhauer-Seminaren, unter der Leitung des Künstler-Ehepaares Jutta und Jo Klose, hat sie sich immer weiter entwickelt. Sie freut sich über jede neu geschaffene Skulptur.   Ruth Koch aus Nordhorn war selbständig im Bereich Buchwesen mit der Herstellung und dem Vertrieb von Literaturexkursionen beschäftigt. Dabei war es zunächst freundschaftliche Einladung, die nach ersten Arbeiten mit Ton und Speckstein schließlich eine endgültige Hinwendung zur Bildhauerei mit sich brachte. Die Teilnahme an VHS-Kursen und Sommerseminaren, mit ganz besonderem Gewinn unter der Regie des Künstlerpaars Jutta und Jo Klose, lieferte das notwendige (und nicht selten buchstäbliche) Handwerkszeug für die inzwischen ausschließliche Arbeit mit Bentheimer Sandstein, Travertin und Marmor. Seit nunmehr 20 Jahren ist Ruth Koch immer wieder fasziniert von der „Häutung des Steins“, die nicht selten während der Bearbeitung zu einer Motivvorgabe verführt. So wachsen Stein und Bearbeiter vielfach zu einer eigenen Schöpfungseinheit zusammen, weil der Stein selbst als tatsächlich „stummer Lehrer“ der Bildhauerin die Konturen vorgibt.   Hans-Dieter Clasmeier , der als Bauingenieur tätig war, wurde 2001 von seiner Frau Brigitta gefragt, was er denn gedenke mit seiner Freizeit zu machen, wenn er in 10 Jahren in den Ruhestand gehen werde. Das war ausschlaggebend, um das Nordhorner Künstlerehepaar Jutta und Jo Klose kennenzulernen. Bei ihnen lernte der Bauingenieur im Stein, den er bisher nur als Baustoff sah, eine Seele zu finden. Der Stein sagt ihm, was innen verborgen ist. Nicht immer sofort, oft erst nachdem eine grobe Schale abgeschlagen wurde. Oft kommen Rundungen zutage, vielfach auch weibliche. Aber auch geometrische Formen bringt der Stein hervor. Eine Herausforderung ist immer der menschliche Kopf, soll er aus einem alten Bruchstein und nicht aus einem Quader geformt werden. Es werden von ihm neben dem Bentheimer Sandstein gerne auch Alabaster, Marmor und harter Speckstein eingesetzt. Die ausgestellten Skulpturen sind während der Sommerakademie im Kloster Frenswegen aber auch im heimischen Atelier in Warsingsfehn/Ostfriesland entstanden. Im Alter von 71 Jahren hat Hans-Dieter Clasmeier seinen Stil gefunden, der sich ein wenig an dem des Straßburger Bildhauers und Künstlers „Hans Arp“ orientiert.

2017