Der niederländische Maler Jacob van Ruisdael und seine Grafschafter Motive
Ruisdael1628-82
Jacob van Ruisdael / Burg Bentheim von Nordwesten (Grafschafter Sparkassenstiftung)

Jacob van Ruisdael (1628/29 – 1682) ist einer der bedeutendsten niederländischen Landschaftsmaler des 17. Jahrhunderts. Bereits als junger Maler war Ruisdael sehr bekannt und ein gefragter Künstler. Sein Lebenswerk umfasst mehr als 1000 Gemälde und Zeichnungen.
Jacob van Ruisdael malte stimmungsvolle und dramatisch wirkende Landschaften, aber auch einfache und ruhige Ansichten von Dünen und Flüssen,  Panoramen mit Kirchtürmen vor weitem Horizont, Dorf  – und Stadtansichten in lieblicher  Stimmung. Menschen und Tiere sind unscheinbar und kaum wahrnehmbar dargestellt, sie verschwinden fast in der Landschaft. Dagegen enthalten seine Bilder eine Fülle von naturalistisch gemalten Details einer teils üppigen, teils vergehenden Vegetation, wuchtige Steine, Felswände und exakt anmutende Abbildungen bestimmter Bauwerke wie die Burg Bentheim, Fachwerkhäuser, Scheunen oder Mühlen. Seine Bilder begnügen sich nicht mit der bloßen Darstellung realer Dinge, sie sind Kompositionen von schöpferischer Eigenständigkeit und starker Empfindung.

Reise nach Bentheim
Während eines längeren Aufenthaltes in Bentheim und Umgebung erhielt der damals knapp 23jährige junge Maler aus Haarlem für sein künstlerisches Schaffen wichtige Impulse. Er hat in vielen seiner Landschafts –  und Naturbilder Motive aus der Bentheimer Region verwendet. Diesem Aspekt im Werk des Jacob van Ruisdael  widmete eine Sonderausstellung im Sandsteinmuseum im Jahre 2004/ 2005 ihre besondere Aufmerksamkeit. Das Thema der Sonderausstellung stand unter dem Thema „Bentheimer Sandstein in den Bildern des Jacob van Ruisdael”.

Für den Betrachter ist es  reizvoll, Bildmotive in den Ruisdael  Bildern zu identifizieren. In vielen seiner Gemälde ist eindeutig die Burg Bentheim zu sehen. So ist auf dem Bild „ Zwei Wassermühlen mit offener Schleuse“ wahrscheinlich im Hintergrund der Gildehauser Kirchturm dargestellt. In einer Zeichnung ist ein Einzelfelsen beim Bentheimer  Schlossberg unschwer als das sogenannte Teufelsohrkissen zu erkennen, eine andere Zeichnung verweist auf die historische Wassermühle in Schüttorf.

Bentheimer Sandstein

Als Jacob van Ruisdael sich um 1650 / 1651 im Bentheimschen aufhielt und eine Region kennen lernte, die in besonderer Weise von dem Bentheimer Sandstein geprägt ist, wurde in der  Stadt Amsterdam ein neues Rathaus, heute bekannt als Königliches Palais, errichtet. Für den Bau dieses repräsentativen Gebäudes wurden insgesamt ca. 4000 Kubikmeter Sandstein verwendet, der zu einem beträchtlichen Teil in den Gildehauser Gruben gebrochen wurde. Mit dem Sandsteinhandel entfalteten sich nicht nur wirtschafliche, sondern auch wichtige kulturelle Beziehungen zu den Niederlanden. Für die Baukunst und Bildhauerei wurde der Bentheimer Sandstein Jahrhunderte lang verwendet, und er ist damit nicht nur als bloße Handelsware einzuordnen, sondern auch als Kunstträger. Für die Malerei hat Jacob van Ruisdael eine wichtige Verbindung zu Bentheim und dem Bentheimer Sandstein geschaffen. Die Grafschafter Motive in den Bildern des Jacob van Ruisdael geben der Region ein Stück kunsthistorische Identität.