Bentheimer Sandstein auf dem Weg nach Südostasien

In den Morgenstunden des zweiten Pfingsttages, am 4. Juni 1629, lief die „Batavia“ vor der westaustralischen Küste auf ein Riff der Abrolhos Inseln.
Die „Batavia“ war ein Flaggschiff der mächtigen niederländischen Ostindien – Handelsgesellschaft (Verenigde Oostindische Compagnie / VOC). An Bord waren etwa 340 Personen.
Die meisten von ihnen fanden zunächst Rettung auf einer der nahe gelegenen Inseln. Das Schiff sank und mit ihm eine große Ladung von Sandsteinblöcken, die im Laderaum gebunkert waren.
Die „Batavia“ erlangte durch die Katastrophe ihres Unterganges und sowie durch die nachfolgenden verhängnisvollen Ereignisse eine traurige Berühmtheit; es ist eine Geschichte von Eifersucht, Habgier, Rachsucht, Fanatismus, Meuterei und Terror. Die Tagebuchaufzeichnungen des Schiffs – Kommandeurs Francisco Pelsaert berichten davon.
Nach gut 350 Jahren gewinnt die „Batavia“ neue Aktualität und Bad Bentheim erfährt erstaunliche Dinge über den Handel mit Bentheimer Sandstein.

batavia-04Meeresarchäologen entdeckten im Jahre 1963 das Wrack der „Batavia“ auf dem Meeresgrund des Indischen Ozeans in den australischen Küstengewässern. Nach der Bergung des Schiffes und seiner Ladung zählte man 134 Stück vorgefertigte Sandsteine mit einem Gesamtgewicht von etwa 37t. Es stellte sich heraus, dass diese Steine für die Fassade eines Tores der Zitadelle von Batavia, dem heutigen Jakarta (Indonesien), auf Java bestimmt waren. Alle Bausteine waren markiert. Sie wurden zusammengesetzt und ergaben ein imposantes Portal von sieben Meter Höhe.

batavia-03In der Batavia Gallery des Maritime – Museums der westaustralischen Küstenstadt Fremantle ist eine Kopie aufgestellt. Auch Teile des Wracks der „Batavia“sind hier zu sehen. Das originale Portal kann im Museum von Geraldton besichtigt werden. Die Stadt liegt mehrere Hundert Kilometer nördlich von Perth. Die Batavia ging vor der Küste dieser Stadt unter. Nach den Vorlagen des Maritime – Museums wurde die „Batavia“ inzwischen in Lelystad (NL) originalgetreu nachgebaut.

Um zu klären, woher der Sandstein für das Portal stammt, wurde im Auftrag des Weserrenaissance Museums Brake und des Deutschen Schifffahrtsmuseums Bremerhaven zwei Originalproben des Portals geochemisch und sedimentpetrographisch untersucht und mit Unterkreide-Sandsteinen aus Nordwest-Deutschland verglichen. Zur Diskussion standen zwei Sandsteine, die beide in historischer Zeit exportiert wurden: der Obernkirchener Sandstein (Berriasium) und der Bentheimer Sandstein (Valanginium), die sich äußerlich sehr ähnlich sind. Sowohl die geochemischen als auch die sedimentpetro graphischen (Dünnschliff- und Kathodolumineszenz-Mikroskopie) Untersuchungen weisen auf den Bentheimer Sandstein als Baumaterial des Batavia-Portals hin.

Die VOC zählte zu den bedeutendsten europäischen Handelsunternehmen des 17./ 18.Jahrhunderts. Sie gründete Niederlassungen und Kolonien vor allem in Südostasien, früher allgemein als Ostindien bezeichnet. Auf Java wurde die Stadt Batavia, das heutige Jarkata, gegründet. Batavia wurde zur Drehscheibe für den Handel der VOC.
Als Seeweg nach Südostasien benutzte man eine Route, die vom Kap der Guten Hoffnung (Südafrika) in östlicher Richtung entlang des 38. Breitengrades direkt zur Westküste Australiens führte. Von da aus nahmen die Schiffe nördlichen Kurs auf Java.
Die VOC handelte mit Seidenstoffen, Baumwolle, Tee und Gewürzen. Auf ihren Fahrten zu den Handelsniederlassungen in Übersee führten ihre Schiffe schwere Frachtladungen als „paying ballast“ mit. So wurden große Mengen Bausteine von den Niederlanden nach Asien verschifft. Die Niederlande sind arm an Natursteinvorkommen. Seit dem Mittelalter importierten sie Sandstein aus den Bentheimer und Gildehauser Gruben. Zwolle und Kampen zählten zu den wichtigsten Umschlagplätzen für den Bentheimer Sandstein. Es ist anzunehmen, dass die VOC von hier Bentheimer Sandstein bezog und ihn als „paying ballast“ nach Fernost exportierte. Möglicherweise sind die vorgefertigten Bausteine für das Tor in Batavia in einer der Gildehauser Kuhlen entstanden.

Literatur:
Mike Dash, Der Untergang der Batavia, Verlag Goldmann, 2005
Liesel Schmidt, Bentheimer Sandstein und ein Schiffswrack im Indischen Ozean, Bentheimer Jahrbuch 2005
Maritime-Museum, Fremantle, Internet: http://museum.wa.gov.au